ISC Cloud ’10 – Interview mit Dan Reed

Ich hatte das große Glück ein Interview mit Dan Reed (Corporate Vice President, Technology Strategy and Policy & Extreme Computing Group, Microsoft, USA) – übrigens ein sehr sympathischer Mensch und angenehmer Gesprächspartner – führen zu dürfen. Zusammen mit Damir Dobric von daenet.de stellten wir ihm einige Fragen (ich übersetze frei ins Deutsche):

„Traditionell ist der HPC-Markt eine Linux-Domäne, z.B. im Bereich der Simulations-Software. Nun begibt sich Microsoft in den HPC-Bereich und stellt (z.B. mit den Excel Services) neue Möglichkeiten vor. Wird Microsoft zukünftig eher in diese Richtung investieren und vorstoßen oder wird auch weiterhin versucht, den ‚traditionellen‘ HPC-Markt in Angriff zu nehmen?“ Dan Reed: Obwohl viele Wissenschaftler Linux-Cluster für Ihre Berechnungen verwenden, ist ihr Desktop-Betriebssystem oftmals Windows. Und am liebsten würde der Wissenschaftler aus dieser gewohnten Windows-Umgebung heraus das Cluster nutzen. D.h. möglichst einfach zu bedienen und voll integriert in gewohnten Windows-GUIs. Am Ende muss das richtige Ergebnis herauskommen, und ob es vielleicht etwas länger dauert als unter Linux ist nachrangig. Gleiches gilt für neue Programmiermodelle: Auch hier steht „Ease-of-use“ im Vordergrund, selbst wenn reines MPI in C schneller ist.

„In Ihrer Keynote verglichen Sie die Zeit, bis das Ergebnis einer Berechnung vorliegt im Grid, mit der Wartezeit derselben Anwendung in der Cloud. Im Grid führten Sie als Nachteil an, dass die Gesamtzeit sich aus der Wartezeit in der Queue plus der eigentlichen Laufzeit des Programms zusammensetzt, während in der Cloud diese Wartezeit entfällt. Aber kann es nicht auch in der Cloud passieren, dass man auf freie Ressourcen warten muss?“ Dan Reed: In der Cloud versuchen wir die Illusion der „unendlichen Verfügbarkeit“ aufrecht zu halten. D. h. sobald Bedarf entsteht, soll dieser unmittelbar gedeckt werden können. Wenn mehr Bedarf da ist, so werden auch mehr Ressourcen zu Verfügung gestellt (sprich: verkauft) und dadurch wird mehr Geld verdient.

„Werden Grid und Cloud zukünftig eher divergieren oder verschmelzen?“ Dan Reed: In Teilen werden sie verschmelzen, aber nicht in Gänze: Es gibt Anwendungen, die jedes Quäntchen Performance benötigen, bei denen es eher unwahrscheinlich ist, dass diese in der Cloud laufen werden. Andere Anwendungen brauchen das aber nicht. Es werden daher auch weiterhin beide Welten existieren.

„Vielleicht noch eine technische Frage: Wir sehen im Moment das Problem mit Lizenzen in der Cloud, wenn Lizenzen von ISV-Codes z.B. auf USB-Dongles ausgeliefert werden. Ein USB-Dongle kann man ja schlecht in die Cloud stecken. Arbeitet Microsoft hier an Lösungen?“ Dan Reed: Das klassische Lizenzmodell muss hier überarbeitet werden. Ähnlich wie man den Cloud-Service „pay per use“ abrechnet, könnte man sich auch ein Lizenzmodell in dieser Art vorstellen; in der Lizenzen also ‚as a Service‘ bereitgestellt werden.

Andere große „Baustellen“ sieht Dan Reed in den Bereichen der Rechtsfragen und Sicherheit, z.B. wenn Daten über Ländergrenzen hinweg verschickt werden. Verschlüsselung ist hier ganz klar die Antwort und es gibt sogar Bestrebungen, Daten nicht nur verschlüsselt zu verschicken, sondern sogar mit verschlüsselten Daten zu rechnen. So wäre gewährleistet, dass von dem Abschicken der Daten vom eigenen Rechner in die Cloud bis zur Ergebnisübermittlung aus der Cloud zurück auf den eigenen Rechner die Daten niemals mitgehört werden können.

„Ein kurzer Blick in die Zukunft: An welchen Projekten (über die Sie reden dürfen) arbeiten Sie im Moment?“ Dan Reed: An „non-traditional Cloud infrastructures“. Z.B. in Bezug auf Umwelt und die Nutzung natürlicher Energien, das Verlagern auf viele kleine Datacenter statt weniger großer. Außerdem arbeiten wir am kompletten Redesign von z.B. Hardware und Kühlkonzepten. D.h. wir versuchen z.B. nicht, klassische Kühlung zu verbessern, sondern fangen von Null, an neue umweltschonende Konzepte zu entwerfen. „Sie sprachen zu Beginn von der nahtlosen Integration von Cloud-Diensten in bestehende Systeme. Wie weit in der Zukunft sehen Sie die Vision, dass eine kleine Softwarefirma mit zwei Servern bei Bedarf auf Mausklick Ihre Ressourcen um Cloud-Ressourcen erweitern kann?“ Dan Reed: Definitiv noch in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts.

„Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit.“

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